Der Preis von Fleisch

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842 Millionen Menschen leiden Hunger. Das ist ungefähr jeder 8. Mensch weltweit. Die Gründe dafür sind vielfältig: Naturkatastrophen, Kriege, Klima-Veränderungen, Finanzkrisen, ungerechte Landverteilung, etc.

Was das mit Fleisch zu tun hat? Eine ganze Menge!

Viele von Euch haben sicherlich schon gehört, dass zur Herstellung von 1 kg Rindfleisch z.B. 15.455 l Wasser benötigt werden. Eine Wassermenge, mit der sich eine Person 1 Jahr lang täglich duschen könnte. Dazu kommen 16 kg Futter-Getreide, damit daraus dann 1 kg Fleisch gewonnen werden kann. Den nur ein kleiner Prozentsatz der Kalorien aus dem Getreide kann in essbares Fleisch umgewandelt werden. Den Rest braucht die Kuh für ihren eigenen Stoffwechsel.

Nur durch Subventionierungen und eine hoch industrialisierte Viehwirtschaft kann Fleisch im Supermarkt heute immer noch günstig angeboten werden. Anstatt die 16 kg Getreide einer Kuh zu verfüttern, um 1 kg Rindfleisch zu erhalten, könnte man  damit stattdessen 20 Menschen satt machen.

Dazu kommt, dass rund 70% des Frischwassers, das weltweit zur Verfügung steht, für die Landwirtschaft verbraucht wird. Der Großteil davon für den Anbau von Futtermitteln. Gleichzeitig sterben jährlich 3,5 Millionen Menschen durch mangelnde Wasserversorgung. 90% der europäischen Soja-Importe und 40% der weltweiten Getreide-Ernte (ca. 800 Mio. Tonnen) werden als Mastfutter für Schweine, Rinder und Hühner verwendet. Auch 30% der eisfreien Flächen der Erde werden bereits für die Tier-Produktion benötigt (Quelle: Albert Schweitzer Stiftung)

Das Getreide für Futter wird großteils aus Entwicklungsländern importiert. Soja vor allem aus Brasilien, Argentinien, Indien, Paraguay, China & den U.S.A. Dazu kommt, dass das Geschäft mit diesen Sojabohnen in der Hand von Großkonzernen wie Syngenta und Monsanto liegt. Diese bieten ihr Saatgut sogenannten ‚Sojakönigen‘ wie dem brasilianischen Industriellen Blairo Maggi zusammen mit Herbiziden & Pestiziden an, um rentable Monokulturen zu züchten.

Dieses Vorgehen macht seit längerer Zeit unter dem Begriff Landgrabbing negative Schlagzeilen. Das bedeutet, dass private oder auch staatliche Investoren riesige Anbauflächen in den Ländern des Südens kaufen oder pachten, die vorher der einheimischen Bevölkerung z.B. für kleinbäuerliche Landwirtschaft zur Verfügung standen. Ziel ist ausschließlich die Profitsteigerung, wie etwa durch den Anbau von hoch industriellem, umweltzerstörenden Anbau von Monokulturen für Mastfutter (oder Pflanzen für Agrar-Treibstoffe).

Dadurch wird einerseits den Kleinbauern ihre Lebensgrundlage entzogen und die ehemaligen Selbstversorger werden in die Armut, Migration und teils sogar in die Zwangsumsiedelung getrieben. Diejenigen, die nicht abwandern, kämpfen mit den gesundheitlichen Folgen des Einatmens von Pestiziden: Durchfall, Allergien, über Erbrechen bis zu Krebs.

Andererseits führt die Entwaldung, der intensive Einsatz von chemischen Düngern & Pestiziden, die Monokulturen und der erhöhte Wasserverbrauch zu schlimmen Schäden für Klima und Umwelt.

Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung voraussichtlich um weitere 2 Milliarden ansteigen. Laut Forschern wird sich auch der Fleischkonsum bis dahin verdoppeln. Um unseren jetzigen Lebensstandard aufrecht zu erhalten, bräuchten wir dann 3 Planeten Erde. Das geht sich vorn und hinten nicht aus.

Auch mein Mann & ich sind mit der typisch österreichischen, fleischlastigen Hausmannskost aufgewachsen: Schnitzel, Schweinsbraten, Tafelspitz & Co. Ich kann bis heute nicht behaupten, dass mir Fleisch, besonders ein gutes Steak, nicht schmeckt. Aber wir haben einfach beschlossen, dass wir kein Fleisch mehr essen wollen.

In den letzten 2 Jahren haben wir uns mit viel Neugier, tollen Kochbüchern & vielen Infos immer mehr in der vegangen Küche angesiedelt. Zuhause kochen wir jetzt nur mehr vegan. Unterwegs schaffen wir es noch nicht immer, aber die Möglichkeiten und das Angebot wird immer besser.

Demnächst folgen daher auch wieder Vorstellungen von neuen veganen Kochbüchern und leckere Rezepte zum Reinschnuppern 🙂

Weitere Quellen:

Sehr empfehlenswert und hier gratis downloadbar: Fleischatlas 2014
FAO über Welthunger
Welthungerhilfe
Animal Rights Watch e.V.
Veggiejournal Print-Ausgabe August/September 2013

6 Kommentare
  1. Julia
    Julia says:

    Super Artikel! Kurz und knackig alles Wissenswerte zum Thema zusammengefasst und sehr gut, um „Neulingen“ einen guten Überblick zu geben!

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  2. Markus
    Markus says:

    Wirklich guter Artikel mit den wichtigsten Fakten zusammengefasst. Ich empfinde die Zahlen zunehmen als erschreckend. Insbesondere Monsanto ist mir ein absoluter Graus. Wenn man sich mehr mit diesem Unternehmen befasst, gelangt man schnell beim Vietnamkrieg oder Völkern in Afrika, mit denen Russisch Roulette gespielt wird. Einfach nur schrecklich was aus dieser Welt wird … Wenn dann noch das Freihandelsabgekommen kommt, wovon ich ausgehe, wenn man sich den Genmais-GAU Deutschlands ansieht, dann können wir bald dicht machen. Auch, dass die Lebensmittelhersteller nicht gewzungen werden, Genzusätze und dergleichen auszuschildern.

    Hoffentlich werden ehrliche Bio-Bauern und -anbieter für immer bestehen bleiben.

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    • Karin
      Karin says:

      Danke, Markus!
      Wenn man einmal anfängt, sich mit diesen Themen zu beschäftigen, dann merkt man immer mehr wie vernetzt alles ist und wie stark sich der eigene Konsum wo ganz anders in der Welt auswirkt. Was Monsanto betrifft, kann ich Dir nur absolut zustimmmen. Leider habe ich erst gestern gelesen, dass z.B. der Einsatz von Glyphosat (Roundup) in Deutschland und den U.S.A. sogar noch zunimmt. Zumindest die neue Saatgut-Verordnung ist jetzt wenigstens nicht durchgegangen.

      Meiner Meinung nach ist es ganz wichtig mit dem eigenen Konsum Zeichen zu setzen und z.B. kleine Bio-Bauern zu unterstützen.

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      • Markus
        Markus says:

        Ganz genau. Fand neulich eine Aussage auf YouTube ganz interessant, wo es um generell politische und ökonomische Themen ging: Wir geben unsere Stimmen bei der Wahl ab und einer Partei, die wirtschaftliche Interessen vertritt.

        Wir können jedoch täglich neu abstimmen, indem wir anders einkaufen.

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